causasportnews.com – 8/2026, 25. Januar 2026
(causasportnews / red. / 25. Januar 2026) Erleichterung, aber auch Verärgerung in der Schweiz: Glücklicherweise ist das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos Geschichte. Höhepunkt dieses fragwürdigen Anlasses in der Bündner Alpenwelt war der Auftritt des US-Präsidenten Donald Trump. Der bald 80jährige, mächtigste Politiker der Welt, der sich die Bühne WEF nicht entgehen lassen wollte und sich zu diesem Anlass selber einlud, sprach rund eineinhalb Stunden, redete teils wirr und widersprüchlich, stiess Drohungen aus und beleidigte flegelhaft Freund und Feind. Analysen seiner Rede ergaben ein erbärmliches Bild des US-Präsidenten; Falschbehauptungen mussten zuhauf registriert und teils nachträglich korrigiert werden. Ziemlich übel bekamen die Schweiz sowie Regierungsmitglieder ihr Fett ab. Die Bundesräte, Land und Leute wurden vom selbsternannten, grössten Politiker aller Zeiten mit krass egomanischen Zügen beleidigt und öffentlich vorgeführt. Die Betroffenen nahmen es mit Fassung, zumal dieser WEF-Zirkus niveaumässig immer tiefer sinkt. Die «Muppet Show» in diesem noch jungen Jahr mit dem Gaststar aus Amerika, Donald Trump, könnte einen absoluten Tiefpunkt im Rahmen des WEF erreicht haben, der kaum Zukunftshoffnungen für das Forum in Davos belässt (vgl. auch causasportnews vom 23. Januar 2026). Gemessen an den Reaktionen aus der Schweizer Bevölkerung wäre es eine Wohltat, wenn diese unsägliche WEF-«Schwatzbude» der Schweiz künftig den Rücken kehren würde. Nachdem sich die als Stiftung organisierte Veranstaltung mit Blick auf das zu Ende gegangene Forum vom Gründer und Organisator des Anlasses, Klaus Schwab, getrennt hat, täte dem Anlass nun auch eine räumliche Veränderung gut.
Natürlich war in Davos auch FIFA-Präsident Gianni Infantino dabei, der «es» im Moment offenbar nicht mehr ohne den US-Präsidenten kann. Das hat auch mit der bevorstehenden Fussball-WM-Endrunde in den USA, in Mexiko und in Kanada zu tun, sodann mit der überbordenden Eitelkeit und dem anbiedernden Charakter des Präsidenten des Welt-Fussballverbandes (vgl. auch causasportnews vom 30. Dezember 2025). Der am 11. Juni 2026 beginnenden WM-Endrunde schaut die Welt einigermassen besorgt und mit wenig Vorfreude entgegen. Aufgrund der Verhältnisse in den USA und in der Welt rät der Strafrechtsexperte Mark Pieth, der an der Universität in Basel lehrte, den Fans, die einen Besuch der WM-Endrunde in Amerika erwägen, in einem Interview mit dem Zürcher «Tages – Anzeiger» (23. Januar 2026): «Bleibt weg von den USA». Amerika sei zu einem Unrechtsstaat geworden, den man gar keine WM ausrichten lassen sollte, sagt der aus dem Kanton Graubünden stammende, emeritierte Rechtsprofessor. Diese Einschätzung ist bspw. auch mit Blick auf das gewalttätige Klima in Amerika nachvollziehbar. Bedenklich findet Mark Pieth die Haltung der USA zu Rechtsfragen, dessen oberster Repräsentant sage: «Das internationale Recht interessiert uns nicht.». Obwohl es am besten wäre, wenn Mannschaften der WM fernbleiben würden, ist sich der 73jährige Mark Pieth bewusst, dass ein solcher Schritt nicht praktikabel sei. Ein Boykott der WM wäre realistischerweise nicht durchzusetzen. «Der Boykott ist ein Mittel, das kaum funktioniert.». «Es wäre nur schon gut, zuerst einmal überhaupt den Mund aufzumachen.». Doch dass derzeit Menschen aus 39 Ländern mit US-Einreiseverboten belegt seien, errege Besorgnis. Bei der Einreise in die USA müssten Schweizer Fans damit rechnen, in den nächsten Flieger gesetzt und nach Hause geschickt zu werden. Mark Pieth weist im Gespräch mit der Zeitung darauf hin, dass die WM-Vergaben der FIFA grundsätzlich mehr als problematisch seien. Das sei schon mit der WM-Endrunde in Katar 2022 der Fall gewesen (schwierige Menschenrechtssituation, Verletzte und Tote auf den WM-Baustellen, Ausbeutung von Arbeitskräften, usw.). Das Schlimmste stehe der (Fussball-)Welt allerdings noch bevor: Die WM-Endrunde 2034 in Saudiarabien. Diese Vergabepolitik der FIFA hänge auch mit dem Naturell des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino zusammen, der sich im Kreis des katarischen Emirs, des saudischen Kronprinzen oder jetzt eben im Umfeld von Donald Trump wohlfühle: «Gianni Infantino macht den Bückling vor ihnen und hofiert sie (…). Auch Blatter hatte keine Berührungsängste. Aber jetzt ist es krass. Infantino spielt auf dieser Klaviatur virtuos. Denken wir an seine Vergabe eines Friedenspreises (…). Man hat das Gefühl, der sei ein Komiker», sagt Mark Pieth.
Nachtrag: Vor der WM-Endrunde 2018 in Russland konnten «es» Wladimir Putin und Gianni Infantino gut miteinander. Russland trat im Februar 2022 die bis heute andauernde, völkerrechtswidrige sog. «Militärische Spezialoperation» gegen die Ukraine los.

