Olympia in der Schweiz – oder es steht jeder Tag ein Dummer auf…

causasportnews.com – 4/2026, 15. Januar 2025

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(causasportnews / red. / 15. Januar 2026) Nach 1928 und 1948 sollen in der Schweiz in zwölf Jahren wieder Olympische und Paralympische Spiele stattfinden; nicht wie anlässlich der beiden letzten Austragungen einzig in St. Moritz, sondern 2038 dezentral und im ganzen Land. Was wie eine Phantasterei einiger Unverbesserlicher erscheint, soll Tatsache werden, wie die Swiss Olympic-Präsidentin Ruth Metzler soeben der Öffentlichkeit mitteilte.  Ein «breit abgestützter Verein» (mit der Bezeichnung «Verein Switzerland 2038») bildet die Trägerschaft des Olympia-Projektes, das für die Initianten optimistisch erscheint, jedoch kaum zu realisieren ist.

Nach der neusten Olympia-Idee sollen die rund 120 Wettkämpfe in diversen Regionen der Schweiz ausgetragen werden. Das Vorhaben basiert auf bestehenden Sportstätten und wird von zehn Kantonen sowie 14 Gemeinden unterstützt. Die Eröffnungsfeier soll in Lausanne, nota bene am Sitz des Internationalen Olympischen Komitees (IOK), stattfinden; das IOK organisiert die Olympischen Spiele und ist Inhaberin aller Rechte an den Olympia-Wettbewerben. Womit die erste Klippe bei der Vergabe der Olympischen Spiele thematisiert und auch umschifft wäre. Üblicherweise und bis dato werden diese an Städte als Austragungsorte vergeben und nicht an Länder. Die Spiele in der Schweiz im Jahr 2038 würden also als Unikat von einem ganzen Land ausgerichtet. Als das Projekt «Olympia 2038» von der ehemaligen Bundesrätin Ruth Metzler vorgestellt wurde, erfolgten umgehend Schlussfolgerungen dergestalt, dass es dem IOK schwerfallen würde, überhaupt noch Austragungsorte für die Spiele zu finden. Die Vergangenheit zeigt, dass Olympische Spiele in Städten und Regionen kaum mehr auf ungeteilte Freude stossen. Fehlende Nachhaltigkeit, problematische, ökologische Erwägungen, überteuerte Projekte, usw. wurden contra «Olympische Spiele» ins Feld geführt. Böse Zungen behaupten, mit der Vergabe Olympischer Spiele sei es wie mit dummen Menschen: Jeden Tag würde zwar mindestens ein «Dummer» aufstehen, man müsse ihn nur finden. Das IOK hat diesen «Dummen» wohl gefunden: Die Schweiz, welche letztlich diese «Heimspiele» des IOK für den milliarden-schweren Verein mit Sitz in Lausanne organisieren und bezahlen soll.

Bezüglich des Olympia-Projektes 2038 muss als einschneidender Negativpunkt vorgebracht werden, dass die Schweiz (nicht ein Austragungsort oder eine Region) mit dem IOK augenwischerisch in einen «privilegierten Dialog», treten kann, was bedeutet: Wenn die Schweiz die Spiele will und die Voraussetzungen erfüllt, bekommt sie diese auch, ungeachtet anderer und weiterer Bewerbungen. Zu den Folgen vgl. das oben Gesagte.

Wenn die Schweiz die Bewerbung für 2038 konsequent anstrebt, wird sie die Spiele also erhalten und das IOK wohl von einer grossen Sorge befreien, nämlich keinen Austragungsort oder eine Austragungsstadt für die in zwölf Jahren stattfindenden Spiele zu finden (die am 6. Februar 2026 beginnenden Olympischen Winterspiele in Mailand und in Cortina d’Ampezzo weichen vom ursprünglichen Vergabemodus ab; so wäre es dann relativ exzessiv auch 2038). Olympia 2038 wären also «Heimspiele» des IOK, finanziert und organisiert von der Schweiz! Weshalb nun noch die Finanzen anzusprechen wären. Hierzu werden die «Olympia-Macher» aus der Schweiz wenig konkret. Letztlich müsste der Bund wohl über 200 Millionen Franken aufwerfen; es wird mit Gesamtkosten von 2,2 Milliarden Franken gerechnet. Da in der Bundeskasse Ebbe herrscht, dürfte das Projekt 2038 schon aus diesem Grund ein Papiertiger bleiben. Bekanntlich fallen solche Projekte bei der Bevölkerung regelmässig durch, vor allem, wenn es um nicht verfügbare Finanzen geht.

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