causasportnews.com – 2/2026, 7. Januar 2026

(causasportnews / red. / 7. Januar 2026) Politik und Sport weisen insbesondere zwei Parallelen auf: In beiden Domänen wird geschwätzt, was das Zeug hält. In der Politik ist dies etwa gleich verheerend wie im Sport; der einzige Unterschied zwischen Politik und Sport ist evident: Im Sport wird auch noch etwas getan, zumindest, und in der Regel weit mehr, i.S. von «disportare» (lateinisch, übersetzt: sich zerstreuen). Der erste Nachkriegs-Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer (1876 – 1967), brachte es einst auf den Punkt, indem er zum Thema «Meinungsänderungen» in der Politik einmal gesagt haben soll: «Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?». Der charismatische Politiker, der am 5. Januar 2026 vor 150 Jahren geboren wurde und der durchaus selbstironische Züge aufwies, sprach dadurch vor allem das Windfahnen-Gebaren in der Politik an; er nahm sich selber nicht aus. Wer heute A sagt, darf morgen also durchaus B sagen. In diesem Zusammenhang soll sich der gebürtige Kölner komplementär auch einmal so artikuliert haben: «Es kann mich niemand daran hindern, jeden Tag klüger zu werden.».
Diese Worte Konrad Adenauers zur Meinungsänderung in der Politik erlebten eine Aktualität in einem Vorgang im Schweizer Fussball dieser Tage. Es ging um den renommierten Klub der Stadt Zürich, den FC Zürich (FCZ). Der 1896 gegründete Verein hat seine besten Tage längst hinter sich. Derzeit müht er sich in der obersten Spielklasse (Super League) ab, und seine Haupt-Ambition scheint zu sein, den Stadt-Rivalen Grasshopper Club Zürich, hinter sich zu lassen; was derzeit der Fall ist. Trainer und Sportchefs kommen und gehen im FCZ, und gegangen ist im letzten Dezember nach relativ kurzem Gastspiel als Sportchef, Milos Malenovic. Nicht nur bei der FCZ-Anhängerschaft hat man sich die Augen gerieben, als vom aktuellen Präsidenten des FC Zürich, Ancillo Canepa, im Herbst 2023 eben Milos Malenovic als Sportchef installiert wurde. Nicht nur, weil der gebürtige Serbe Spielervermittler ist und sich in seiner Funktion als Sportchef des FCZ permanent in Interessenkonflikten befand, wurde diese Personalie im Zürcher Stadtklub zum Rohrkrepierer. Der Präsident des FC Zürich war nach dem Abgang von Sportchef Milos Malenovic bestrebt, möglichst rasch einen neuen Sportchef präsentieren zu können. Weil ein Fehler erst ein Fehler ist, wenn man ihn zweimal begeht, engagierte Ancillo Canepa als neuen Sportchef des FCZ den … Spielervermittler Dino Lamberti! Bezüglich dieses Namens muss man wissen, dass im FC Zürich eine («schwarze») Liste geführt wird mit Namen von Personen, die im Fussball-Business engagiert sind, im Zürcher Klub aber als personae non gratae gelten. Weshalb Dino Lamberti den Sprung auf diese Liste schaffte, ist bekannt. Der 51jährige Spielervermittler mit italienischen Wurzeln und der FCZ gerieten vor Jahren wegen eines Spielers aneinander. Nie mehr ein Geschäft mit Dino Lamberti – so lautete danach das «Credo» des Stadt-Klubs. Wahrscheinlich hat sich nun der FCZ-Präsident Ancillo Canepa in der Not an den rührigen und besonnenen Spielervermittler erinnert – und ihn flugs, trotz «schwarzer Liste der personae non gratae», für den FC Zürich engagiert. Wahrscheinlich frisst der Teufel in der Not eben doch die sprichwörtlichen Fliegen. Oder der oft hilflos wirkende Präsident des Stadt-Klubs hat sich eben an die legendäre Äusserung von Konrad Adenauer erinnert, eben: «Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?». Oder nahm Ancillo Canepa lediglich eine Lagebeurteilung, wie sie im Militär gang und gäbe ist, vor: «Neue Lage, neue Lagebeurteilung»? Es könnten nun Wetten abgeschlossen werden, ob Dino Lamberti für den FCZ auch noch im Frühjahr tätig ist…
