Pleiten, Pech und Pannen rundherum

causasportnews.com – 63/2025, 10. Juli 2025

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(causasportnews / red. / 10. Juli 2025) Durch den organisierten Sport brandet eine Pleite-Welle. Am letzten Juni-Tag ist im Zürcher Handelsamtsblatt die «Vorläufige Konkursanzeige GAZ (GC Amicitia Zürich)» erschienen. GC Amicitia Zürich ist gemäss Medieneinschätzungen einer der leuchtendsten Adressen im Schweizer Handball. Mit der grossen Party ist vorläufig Schluss, denn dieser Klub im Rahmen des Sport-Gemischtwarenladens von Grasshopper-Club Zürich mit verschiedenen Sektionen in verschiedenen Sportarten ist pleite. «Schuldner des Konkursiten können ihre Schulden nicht mehr durch Zahlung an den Konkursiten begleichen; sie riskieren zweimal bezahlen zu müssen», heisst es unter anderem im Handelsamtsblatt. Die Situation ist relativ undurchsichtig, aber es bestehen keine Zweifel, dass der Klub in irgendeiner Form und unter einem neuen Namen fortbestehen wird. Dieses Finanz-Desaster lässt aufhorchen, gilt doch «GC Zürich» mit den diversen Sport-Sektionen als Sportklub der Hochfinanz und des elitären Akademikertums im Grossraum Zürich. Wie konnte es also soweit kommen? Offenbar ging dem Sponsor des Klubs nach und nach das Geld aus. Dieser Sponsor war die Deutsche «Tennor-Gruppe» des ehemaligen Wirtschafts-Wunderkindes Lars Windhorst. Der heute 48jährige Geschäftsmann, der mit 16 Jahren offenbar erfolgreich seine ersten Geschäftsaktivitäten startete, wurde vom Polit-, Gesellschafts- und Wirtschafts-Establishment gehätschelt wie kaum je ein anderer Finanz-Akrobat zuvor. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl begann den vom «Wunderkind» begonnenen (halb-)seidenen Luxus-Teppich mitzuweben. Der Ex-Bundeskanzler glorifizierte den neuen Shooting-Star der Deutschen Wirtschaft – und die Menschheit applaudierte. Beim Aufstieg von «Wunderkind» Lars Windhorst ging es teils ähnlich zu und her wie später beim (halb)seidenen, ungefähr gleich alten René Benko. Wer in der Finanzwelt etwas gelten will, ist bestrebt, u.a. die «Plattform Sport» zu nutzen. Das macht rundherum Freude und verhilft zu Anerkennung. Lars Windhorst stieg 2019 beim renommierten Bundesligisten Hertha BSC Berlin mit dem Erwerb von Klub-Anteilen ein, nota bene mit seiner «Tennor-Gruppe». 2023 war auch dieser Spuk vorbei und das frühere «Wunderkind» wieder weg. Das Hertha-Engagement von Lars Windhorst ist wohl auch unter die Rubrik «Pech» zu subsumieren.

Um Geld und Pech geht es immer noch im Rahmen der sog. «Sommermärchen-Affäre» im Zusammenhang mit der Fussball-WM-Endrunde 2006 in Deutschland. Vom Landgericht Frankfurt ist der Deutsche Fussball-Bund (DFB) soeben wegen Steuerhinterziehung schuldig gesprochen worden. Der Vorgang betrifft dubiose, teils verschleierte Zahlungsflüsse rund um die WM-Endrunde 2006. Der DFB soll dem Weltfussballverband FIFA im April 2005 6,7 Millionen Euro bezahlt haben. Das Geld wurde auf ein Konto des zwischenzeitlich verstorbenen Geschäftsmanns Robert Louis-Dreyfus in Zürich überwiesen. Der Betrag entsprach den 10 Millionen Schweizer Franken, die der zwischenzeitlich ebenfalls verstorbene Franz Beckenbauer 2002 vom Franzosen erhalten hatte. Der DFB verschleierte die Rückzahlung dieses Darlehens durch Deklaration für eine geplante WM-Gala 2006, die nie stattfand. Die Zahlung wurde als Betriebsausgabe verbucht. Das trug nun dem DFB eine Verurteilung wegen Steuerhinterziehung ein. Der Verband hat 130 000 Euro Strafe zu bezahlen; 20 000 Euro Strafe wurden dem DFB erlassen, «wegen rechtsstaatswidriger Verfahrensdauer».

Um Pannen ging es beim grössten Breitensport-Anlass der Schweiz, dem Eidg. Turnfest in Lausanne im Juni. Diese Veranstaltung erlebte einen «Super-GAU», vor allem deshalb, weil die Resultat-Auswertungen nicht funktionierte, bzw. falsche Angaben zeitigten. Daneben herrschte während des Anlasses vom 12. bis zum 22. Juni ein organisatorisches und administratives Chaos. Der organisierende Verband, der Schweizerische Turn-Verband (STV; der grösste und älteste Sportverband der Schweiz) mit den teils behäbigen Funktionären, war in allen Belangen dieser Grossveranstaltung überfordert, weshalb sich Panne an Panne reihte. Schlagzeilen, wie «Jetzt erreicht das Turnfest-Chaos die Verbandsbosse» waren an der Tagesordnung.

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