Der organisierte Sport im Spannungsfeld von Politik und Wirtschaft

causasportnews / 1204/11/2024, 23. November 2024

© David Biedert

(causasportnews / red. / 23. November 2024) Im organisierten Schweizer Sport wurden soeben die Weichen für die Zukunft gestellt, beziehungsweise wurde auf höchster Ebene am Bisherigen festgehalten und dem modernen Sport-Management zukunftsgerichtet eine Abfuhr erteilt. Vordergründig ging es um die Wahl des Präsidenten oder der Präsidentin von «Swiss Olympic Association», dem Dachverband des helvetischen Sportes und dem Nationalen Olympischen Komitee der Schweiz. Bezüglich der Nachfolge für den noch bis Ende dieses Jahres amtierenden Präsidenten und SVP-Politikers Jürg Stahl standen die ehemalige Kurzzeit-Bundesrätin Ruth Metzler-Arnold und der gestählte, nüchterne Sport-Manager Markus Wolf zur Wahl (vgl. auch causasportnews vom 11. November 2024). Überraschend deutlich entschied sich das Sportparlament für die Politikerin, die als Inbegriff des vernetzten Schweizer Wirtschafts- und Polit-Systems gilt. Sie stand als Garantin für die bisherige, in der Schweiz herrschende  Sport-Trilogie von Sport, Wirtschaft und Politik. Seit dem abrupten Ende ihrer politischen Karriere (2003) hat die heute 60jährige Innerschweizerin diverse Jobs inne; sie ist beispielsweise u.a. als Verwaltungsrätin des renommierten Versicherungskonzerns «Axa» tätig und präsidiert den Stiftungsrat der päpstlichen Schweizer-Garde im Vatikan. Ehemalige Politikerinnen und Politiker der früheren «CVP», heute «Die Mitte», sind prädestiniert für diese Aufgaben nach der Politik. Logisch, dass die neugewählte «Swiss Olympic»-Präsidentin und nun oberste Sportfunktionärin der Schweiz zumindest die wirtschaftlich wenig attraktiven Tätigkeiten künftig wird ruhen lassen.

Nach der klaren Wahl von Ruth Metzler-Arnold beglückwünscht sich die ganze Sport-Schweiz, vor allem deshalb, weil (fast) alles so bleiben wird wie es war. Zudem steht nach zahlreichen Politikern in diesem Amt endlich und erstmals eine Frau an der Spitze des helvetischen Sport-Funktionärswesens. Dass das Wahlorgan von «Swiss Olympic» die ehemalige, vernetzte Politikerin Ruth Metzler in den präsidialen Sattel hob und dem Vertreter des modernen Sport-Managements, Markus Wolf, ein fähiger Mann, jedoch ohne Charisma, eine klare Abfuhr erteilte, lässt sich einfach erklären: Von der ehemaligen Polit-Magistratin in der Bundespolitik erhofft man sich dank deren Aktivismus’ in Wirtschaft, Politik und in weiteren gesellschaftstragenden Umfeldern vor allem neue Mittel für den organisierten Sport. Diese soll jetzt die Präsidentin künftig beschaffen. Nun ist es auch hier so wie in der täglichen Politik: Man hört die Botschaft, doch allseits fehlt der Glaube. So sind für den privatrechtlich organisierten Sport seitens der Politik künftig drastische Sparmassnahmen angesagt; es herrscht also das Gegenteil von dem, was bezüglich der Präsidentschaftswahl im Wahlkampf und am Wahltag in Bern suggeriert wurde. Jedenfalls gilt die ehemalige, aktive Politikerin als Hoffnungsträgerin. Dieser Ballung von Aspekten, die in der Politik an der Tagesordnung sind, hatte der pragmatische Sport-Technokrat Markus Wolf nichts entgegen zu setzen. Insbesondere fehlten bei ihm pekuniäre Versprechen und Garantien für die Zukunft im organisierten, helvetischen Sport, auch falls diese letztlich, wie in der Politik, ebenso in dieser «Causa» wie aktuell der erste Schnee dieses Winters, schmelzen sollten…

Wie analysierte Ruth Metzler gleich nach ihrer erfolgreichen Wahl die Ausgangslage, die letztlich zum Erfolg führte? «Ich habe gespürt, dass viele Verbände das schätzen, was ich mitbringe». Eben. Dann mutierte sie nach einem kräftezehrenden Wahltag alsogleich zur Sport-Funktionärin mit dem unbezahlbaren Gefühl für die Werte in der Politik, auch in der Sport-Politik: «Es war ein langer Tag. Zuerst wurde ich wegen des Schnees in der Ostschweiz von den SBB stehen (Anmerkung der Red. nicht sitzen) gelassen, und nun haben wir einen intensiven Abend erlebt», verriet sie dem nationalen Boulevard-Blatt «Blick» (23. November 2024). Man darf eben die Hoffnungen nie zu früh begraben. Es kommt schon gut mit der Neo-Präsidentin!

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